Mein Nachmittagsarbeitsplatz auf dem Balkon mit Blick auf den Tobasee

Indonesien - Eskapismusgedanken im Tobasee

Die indonesischen Gäste in meiner Pension haben heute Nacht bis ein Uhr morgens lautstark gefeiert. Oder vielleicht haben sie auch einfach nur zusammen gesessen. Ich hatte einen Moment überlegt, ob ich mich darüber ärgern soll, aber im Grunde ist es genau richtig so. Immerhin ging es nur bis eins. Wenn ich mich zurück erinnere, wie oft wir ohne einen Gedanken an andere zu verschwenden bis zum Morgengrauen durchgesungen haben.

Vielmehr wird mir meine Spießigkeit als Alleinreisende bewusst, denn ich bin schon um zehn Uhr ins Bett gegangen, haben nur einige Seiten gelesen und bin dann eingeschlafen. Um dann zweimal von den Feiernden geweckt zu werden. Zu meiner Entschuldigung muss ich anführen, dass ich immer noch das Schlafdefizit von der nächtlichen Busfahrt und die Ausläufer einer Erkältung in Bronchien und Nebenhöhlen mit mir herumtrage.

Am Morgen nerven die Jetskis auf dem See. Sie fahren schon morgens ab halb acht, weil da die Wasseroberfläche noch glatt ist. Später am Tag wird der See etwas unruhiger und ab dem Nachmittag kommen Wellen und Wolken auf.

Ich nutze den Tag heute produktiv und nach dem ich gestern endlich das Video über den malaysischen Taman Negara-Nationalpark fertig geschnitten und veröffentlicht habe, nutze ich den Schwung und beginne das Video über meine Woche auf der Insel Tioman.

Heimwehanfall

Am Morgen hatte ich einen spürbaren Anfall von Heimweh. Das hängt sicher damit zusammen, dass ich zu Hause wieder eine Geburtstagsfeier verpasse. An solchen Tagen merke ich, dass ich es bin, die weit weg ist, nicht alle anderen. Ich will mir diesen Gemütszustand aufbewahren und mich daran erinnern, wenn ich die nächste Reise in dieser Länge plane.

Den ersten Anflug von Heimweh spüre ich auf einer Reise immer schon nach zwei Wochen. Dann erst mal nicht mehr und nur noch an den Tagen an denen ich zu Hause etwas verpasse. Ob es beim Heimweh sowas wie einen Schutzreflex der Seele gibt? Ich denke an mein gerade erst ausgelesenes Buch von Wilfried Erdmann und seine Weltumsegelung, die fast ein ganzes Jahr dauerte. Auch er schreibt auf vielen Seiten seines Reisetagebuches von Heimweh und wie sehr er die Menschen zu Hause vermisst. Aber er schreibt auch, dass er sie auch schon etwas vergisst.

An diesem Punkt bin ich noch nicht. Im Gegenteil: Ich träume von Menschen, die ich seit 20 Jahren nicht mehr gesehen habe und sehe sie bildlich vor mir. Ich erinnere mich in diesen Träumen auch an ihre Eigenheiten, die ich im wachen Zustand niemals würde benennen können. Ich denke sogar an Menschen, von denen ich, wenn sie mir zu Hause begegnen kaum Notiz nehme. In Gedanken unterhalte ich mich mit ihnen. Anstandshalber muss ich diesen Menschen zu Hause mehr Aufmerksamkeit schenken, wenn sie mir das nächste Mal begegnen. Und ich muss ihnen sagen, dass ich auf meiner Reise an sie gedacht habe. Auch wenn das vielleicht etwas peinlich wird.

Pünktlich um vier Uhr nachmittags türmen sich wieder die Wolken über den Bergerücken ringsrum und der Wind frischt auf. Nur etwa eine halbe Stunde kann ich diesen Wetterumschwung ignorieren, dann muss ich von meinem Nachmittagsarbeitsplatz aufstehen und mir drinnen lange Kleidung anziehen.

Fluchtgedanken: Von der Insel in den Dschungel

Ich denke über die nächste Station meiner Reise nach. Es könnte Ketambe werden. Das liegt abseits von den Touristenströmen, die es nach Bukit Lawang zieht. Wobei ich auf meiner Reise keine Touristenströme bemerkt habe. Selbst in Thailand und Singapur kann von einem Massenandrang keine Rede sein und es wirkte eher leer.

Für Ketambe spricht, dass dort die Möglichkeit besteht, sich in eine Hütte im Dschungel zurück zu ziehen. Sie wird von einer britischen Naturforscherin vermietet und soll sehr rustikal sein und Distanz zur Zivilisation gewährleisten. Der Gedanke daran scheint mir derzeit sehr attraktiv. Allerdings bin ich gerade auf einer Insel in einem Vulkankratersee auf Sumatra. Das ist ja bereits recht isoliert. Ich muss aufpassen, dass ich mich nicht aus Eskapismus in eine unkomfortable Situation bringe, nur weil hier ab und zu mal beim Vorbeifahren jemand hupt und mir das auf die Nerven geht.

Vlogs - Newsflash

In meinem letzten Video waren wir zusammen in der Stadt Ipoh, am Kinta-Fluss. Malaysias ehemalige Stadt der Millionäre. In diesem Video verlassen wir nun die Zivilisation und fahren in den Taman Negara - den ältesten Urwald der Welt. Dort leben wilde Elefanten, die letzten malaiischen Tiger und der ebenfalls vom Aussterben bedrohte Schabrackentapir. Schon vom Tembeling-Fluss aus, ist der Regenwald beeindruckend. Doch ich will mitten rein und unternehme eine Dschungel-Wanderung. Dort mache ich die Begegnung mit ganz anderen blutrünstigen Wildtieren: Blutegel. Doch der Urwald ist nicht nur die Heimat einer beindruckenden Tierwelt. Hier gibt es neben den gewaltigen Riesen der Urwaldbäume auch Pflanzen die heilen können - oder töten.

In meinem neuen Video zeige ich euch Ipoh, die Stadt, die mal 100 Jahre "Stadt der Millionäre" war und erzähle euch vom britischen Gesandten J.W. Birch, der es hier auf die (Speer-)Spitze trieb- von der falsche Seite.

Meine Reise durch Südostasien geht weiter. Heute brechen wir gemeinsam auf in Thailands Wilden Westen - in die Provinz Kanchanaburi. Dort fahre ich durch den Dschungel bis ans Ende von Thailand und an die grüne Grenze zu Myanmar. Dort begegne dem Volk der Mon.

Es ist schon eine ganze Weile her, seit ich in Bangkok lebte. Damals gab es viele der Möglichkeiten den öffentlichen Personennahverkehr zu nutzen noch nicht. Die Hochbahn war noch nicht erweitert und die U-Bahn auch nicht. Es gab auch die neuen zusätzlichen Buslinien noch nicht. Heute kann man mit Google die Verbindungen mit dem ÖPNV raussuchen und auch dann das Bussystem nutzen, wenn man kein Thai spricht.

Jessica Welt

Seit etwa einem Jahr lasse ich auf meinen Reisen einen GPS-Tracker mitlaufen und füge alle zurückgelegten Routen in diese Karte ein. Strecken, die ich auf dem Landweg zurückgelegt habe, kennzeichne ich orange, welche, die ich zu Fuß gelaufen bin in grün und die, die ich auf dem Wasser per Boot oder Schiff bewältigt blau.