Die Nacht im Zug war wieder eiskalt. Ich habe schon eine Jacke an und einen Pullover darüber, doch das langt nicht für diese Temperaturen, die die Klimaanlage in den Waggons erzeugt. Als zusätzliche Wärmeschicht habe ich schon die Neoprenhülle meines Laptops über die Beine gelegt und ein Strandtuch dient mir als scheinbare Decke. Sie wärmt nur psychologisch, denn sie ist so dünn, dass man hindurchsehen kann. Doch auch diese Nacht überstehe ich und bin überrascht, wie lange man in dieser Zwangshaltung doch schlafen kann. Die Rückenlehne der Sitze lässt sich zwar weit nach hinten klappen und eine zusätzliche Beinablage erweitert die Liegefläche – ein richtiges Bett ersetzt das alles aber nicht. Trotzdem kann ich bis halb acht schlafen. Wie erwartet haben wir über Nacht Colorado verlassen und als ich den Vorhang beiseite ziehe, sehe ich auf die sanften Hügel von Nevada.
Über Nacht hat der Zug Nebraska durchquert und als ich aufwache leuchtet gerade die Prärie der Great Plains von Colorado im Sonnenaufgang. Ich beginne mit der minimalen Morgentoilette, für die man nicht mehr braucht als eine Zahnbürste, Zahnpasta, eine volle und eine leere Wasserflasche.
Als das erledigt ist, kommt Denver in Sicht. Vom Zug aus ist nichts Spektakuläres aus zu erkennen aber es steigen hier viele aus und ein.
Nevada - Als ich am dritten Morgen aufwache bin ich schon in Nevada. Der 16. US-Bundesstaat auf meiner Coast2Coast-Roundup-Reise durch Nordamerika. Die roten, fichtenbestandenen Canyons von Colorado habe ich genauso hinter mir gelassen wie die bizarren Tafelberge von Utah. Nun fahre ich durch die Wüste. Eine Straße verläuft manchmal parallel zu der Bahnstrecke. Viel Verkehr ist dort nicht. Manchmal ein einsamer Truck, aber auch ein Schulbus.