360°-Skippertraining Biskaya - Tag 7 - Einlaufen in Rochefort

Nach einer ruhigen Nacht vor Anker vor der kleinen iÎle-de-Aix erwachten wir mit Blick auf das Fort Boyard auf der Backbordseite der Logoff. Nach einer schnellen Katzenwäsche und dem gemeinsamen Frühstück holten wir den Anker auf und gingen auf Halbwindkurs, um die Flachwasserzone in der Nähe der Insel und der vorgelagerten Muschelbänke zu vermeiden. Unser letzter Hafen dieses Trainingstörns auf der Biskaya sollte Rochefort sein, das nur mehr wenige Seemeilen entfernt lag. So blieb uns noch einige Zeit für zusätzliche Manövertrainings. Unsere nach dem Hersteller Ruth Lee benannte Übungspuppe "Ruth" flog wieder über Bord, um mit dem sogenannten "Münchener Manöver" gerettet zu werden. In einem Gezeitengewässer spielt hier die Strömung eine zusätzliche Rolle und nicht jede Ansteuerung gelang auf Anhieb. Nachdem nun die über Nacht belegten Ankerbojen vor der Insel wieder frei geworden waren, konnten wir nun auch deren Ansteuern und das Festmachen üben. Anschließend setzten wir Kurs auf Rochefort, fuhren in den Fluß Charente ein, warteten noch fünf Minuten vor der Hafenschleuse und machten schließlich an Steg F fest.

360°-Skippertraining Biskaya - Tag 6 - La Rochelle

In der Nacht war ich lange wach. Wenn man sich zu zweit eine Kammer auf dem Schiff teilt und auf der gleichen schmalen und zu den Füßen spitz zulaufenden Matratze schläft, bleibt der eigene Schlaf nicht durchgehend unbehelligt. Entsprechend träge war mein Start in den Tag. Nach dem Ablegen im Yachthafen vom La Rochelle fuhren wir in den alten Hafen der Stadt, um noch ein wenig einzukaufen. Ich nutzte die Gelegenheit, um Postkarten zu erwerben, denn auf jeder Reise versende ich immer genau sechs Postkarten. Oft auch an Menschen, die sicherlich nicht unbedingt mit einem Reisegruß von mir reden. Dabei stelle ich immer wieder fest, dass ich zwar ein riesiges Telefonbuch habe, aber nur noch sehr wenige Postadressen. Wer also mal gerne bei einer meiner nächsten Reisen eine Postkarte vom mir geschickt bekommen möchte, schreibt mir einfach seine Adresse an jessica.bkk/at/gmail.com.
Bei meiner Rückkehr aus der Altstadt von La Rochelle sah ich gerade unsere Segelyacht Logoff, wie sie gerade mit unseren beiden Skippern an Bord ablegte.

360°-Skippertraining Biskaya Tag 5 - Navigatorin des Tages

Heute war der Tag an dem die Biskaya begann zu liefern, was ich mir von einem Törn in dieser berüchtigten Meeresbucht des Nordatlantiks versprochen hatte. Gleich nach dem Auslaufen aus dem Hafen von Les Sables d'Orlonne setzten wir Segel und machten sofort ordentlich Fahrt gegen die Wellen. Die Schräglage nahm schnell zu, so dass die Steuerbordkante der Logoff kurz über der grünen See durch die Wellenkämme schnitt. Der Seegang erreichte wohl kaum mehr als einen Meter doch trotzdem wurde das Vorschiff immer wieder überspült und die Gischt flog bis über das Heck hinaus.
Jeden Tag ist jemand anderes aus unserer Crew für die Navigation und Berechnung der Wasserstände der Gezeiten zuständig. Heute war ich dran und setzte unseren Kurs zwischen der Île-de-Ré und den vorgelagerten Austerbänken hindurch, unter der schlanken Betonbrücke zwischen der Insel und La Rochelle, bis in den langen Trichter, der uns in die riesige Marina der großen französischen Hafenstadt führte.
Als Navigatorin des Tages steuerte ich unsere Segelyacht an einen der 63 Stege für Sport- und Freizeitboote, wo wir so schnell wie sonst nie fest machten, um unsere Reservierung im Restaurant in derAltstadt von La Rochelle einzuhalten. Erst kurz nach 21 Uhr trafen wir dort ein. Für mich gab es als Vorspeise eine fruchtige Ceviche von der Dorade; zum Hauptgang hatte ich mir eine Pilzpfanne mit Wolfsbarsch und Pilzen ausgesucht, die hervorragend schmeckte und von beidem hätte ich problemlos auch die doppelte Portion bewältigen können.
Zurück mussten wir wie schon beim Hinweg mehrere Kilometer um das Hafenbecken herum laufen und erreichten die Logoff an ihrem Schwimmensteg erst nach Mitternacht.

360°-Skippertraing Biskaya - Tag 4 - Nachtansteuerung

Nach der Rückkehr aus dem guten Restaurant gestern Abend, lag auf einmal eine kleinere Segelyacht neben uns. Drei junge Franzosen hatten bei der Einfahrt in den Hafen im Dunklen eine Leine in ihren Antriebspropeller bekommen und mussten manovierunfähig bei uns längsseits gehen. Alleine trauten sie sich nicht, ihr Boot an den Steg zu verholen. Unsere Crew half ihnen aber dann dabei und die Erleichterung war der französischen . Besatzung anzumerken. Am nächsten Morgen traf ich dann die junge Frau, die Teil der Crew war im Waschhaus, wo sie gerade sich und ihrem Neoprenanzug das Hafenwasser abgewaschen hatte, durch das sie hinab zur Motorschraube ihres Schiffs getaucht war, um die aufgewickelte Leine aus der Schiffsschraube zu entfernen.

360°-Skippertraining Biskaya - Tag 3 - Funkärztliche Beratung

Der Segeltag begann mit einem Telefonanruf beim funkärztlichen Beratungsdienst in Cuxhaven. Vorher hatten wir das dafür vorgesehene Formular für die Beratung aus der Ferne ausgefüllt und einen typischen Bordunfall angenommen, bei dem ein Crewmitglied vom herumschlagenden Baum des Großsegels am Kopf getroffen worden war und nun Symptome eines Schädel-Hirns-Tramas aufwies.
Nachdem diese Übungseinheit abgeschlossen war, hieß es "Leinen los" und die Segelyacht Logoff lief aus dem Hafen von L'Herbaudiére aus.

360°-Skippertraining Biskaya - Tag 2 - Ankerwaschanlage

Mit zunächst ordentlicher Schräglage sind wir heute Morgen von der Île de Houat Richtung Südosten aufgebrochen. In einer sehr ruhigen Nacht vor Anker habe ich fast neun Stunden geschlafen und so das Schlafdefizit des Anreisetages wieder aufgeholt. Beim aufholen des Ankers lernte ich auch das erste Mal die Ankerkettenwaschanlage kennen. Zunächst hielt ich das für einen üblen Scherz, ähnlich wie das "Kielschwein". Allerdings ist es tatsächlich ein kleiner sprudelnder Wasserstrahl vorne an der Ankerwinde, der mit Seewasser Schlamm und Sand von der einlaufenden Ankerkette spült. Sachen gibt's!

Jessica-Purkhardt.de